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Generationenwechsel

Viele Tiroler Tourismusbetriebe haben Tradition. Hotels und Gasthäuser sind oft ein Lebenswerk, das eine Generation an die nächste weitergibt. Das ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Deswegen gehört eine Übergabe gut vorbereitet.

SEPTEMBER 2019Text: Daniel Feichtner
Hotel Zum Mohren in Reutte
Das Hotel Zum Mohren in Reutte blickt auf mehr als 370 Jahre Geschichte zurück – viele davon unter der Führung der Familie Ruepp.
© Hotel Mohren

Als 2015 im Hotel Zum Mohren in Reutte Renovierungsarbeiten anstanden, nahm Hotelchef Hermann Ruepp das zum Anlass, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Dabei kam der damals 62-Jährige zu dem Schluss, dass der Zeitpunkt gut wäre, sich mit dem Ruhestandsthema auseinanderzusetzen: „Meine Arbeitsjahre waren voll. Und es kommt der Moment, an dem man die nächste Generation ans Ruder lassen sollte“, ist er überzeugt.

Hermann Ruepp

„Meine Arbeitsjahre waren voll. Und es kommt der Moment, an dem man die nächste Generation ans Ruder lassen sollte.“

Hermann Ruepp, Hotel zum Mohren, Reutte

Klare Verhältnisse

„Die Entscheidung kam ein wenig überraschend für uns“, erinnert sich Roland Ruepp, einer der drei Söhne des Hoteliers. „Unvorbereitet waren wir aber nicht.“ Sowohl er als auch sein Bruder Thomas hatten die Villa Blanka absolviert – Roland die Höhere Lehranstalt und Thomas die Fachschule als Küchenchef. Der dritte Bruder Stefan hatte sich schon früher gegen einen Werdegang im Gastgewerbe entschieden. „Wir sind im Hotel aufgewachsen, und besonders wir beide haben Tourismus im Blut“, meint Roland Ruepp. So war klar, dass sie die Nachfolge antreten würden – jeder in seinem Bereich.

Roland Ruepp

„Wir sind im Hotel aufgewachsen und haben Tourismus im Blut.“

Roland Ruepp, Hotel zum Mohren, Reutte

Unangenehme Szenarien

Für den eigentlichen Übergabeprozess holten sich die Ruepps Hilfe an Bord: erst den eigenen Steuerberater und dann zusätzlich einen Notar, um das Vertragswerk auszuformulieren. Externe Experten zur Hand zu haben war dabei unerlässlich, sagt Roland Ruepp: Bei der Übergabe mussten nicht nur die Besitzverhältnisse mit Stefan geklärt werden. Es standen auch unangenehme Themen zur Debatte: „Zum Beispiel was geschieht, wenn Thomas oder mir etwas passiert. Das sind Dinge, an die man selbst nicht denkt – oder denken möchte.“ Zudem galt es, die Wohnverhältnisse zu klären: „Die Wohnung unserer Eltern ist im Hotel. Und das musste natürlich vertraglich abgesichert werden.“

Für die Ruepps ging die Übergabe verhältnismäßig schnell vonstatten. Zum einen, weil alle Parteien sich von Beginn an einig waren, und zum anderen, weil das Hotel dank der Renovierung am neuesten Stand war. Roland und Thomas konnten so einen Betrieb übernehmen, der auch topfit für eine Betriebsanlageninspektion war. Damit sind sie aber eher ein Ausnahmefall. Nicht umsonst empfiehlt die Wirtschaftskammer, sich drei bis fünf Jahre Zeit zu nehmen, bis alles geregelt ist – insbesondere, wenn noch Uneinigkeit über die Zukunft des Betriebs herrscht. „Und das muss man angehen, bevor übergeben werden muss“, warnt Hermann Ruepp. „Ist einmal etwas passiert – ein Krankheitsfall oder Schlimmeres –, ist es zu spät, eine geordnete Übergabe zu organisieren.“

„Das muss man angehen, bevor übergeben werden muss. Ist einmal etwas passiert – ein Krankheitsfall oder Schlimmeres –, ist es zu spät, eine geordnete Übergabe zu organisieren.“

Hermann Ruepp, Hotel zum Mohren, Reutte

Familie Ruepp
Mit der erfolgreichen Übergabe ist die Zukunft des Hotels als Familienbetrieb gesichert.
© Hotel Mohren
Das Hotel Zum Mohren in Reutte
Das Hotel Zum Mohren in Reutte
© Hotel Mohren

Fließender Übergang

Nur weil eine Übergabe rechtlich in trockenen Tüchern ist, ist sie aber noch lange nicht abgeschlossen. Die Übernehmenden müssen sich oft erst etablieren – bei Stammgästen und Lieferanten, zu denen oft jahrelange Beziehungen bestehen, gibt es Konfliktpotenzial. Da Roland und sein Bruder schon lange im heimischen Betrieb tätig waren, sei das aber reibungslos vonstattengegangen, meint er.

Zugleich kann das Loslassen des Lebenswerks gerade für eingefleischte Hoteliers ein schwieriger Prozess sein. Hermann Ruepp sieht das allerdings eher gelassen – immerhin hat er sich ganz bewusst dazu entschieden, das Kommando abzugeben. Untätig ist er deswegen aber bei Weitem nicht. „Ich arbeite weiter im Hotel. Und ab und an muss ich auch den ‚Chef-Reflex‘ unterdrücken. Da sind Roland und Thomas aber nachsichtig.“ Aus großen Entscheidungen halte er sich heraus – was nicht bedeutet, dass sein Know-how brachliegt. Ganz im Gegenteil: „Unser Vater steht uns mit Rat und Tat und viel Erfahrung zur Seite“, sagt Roland Ruepp. „Die Entscheidungen treffen mittlerweile wir. Aber wir wissen immer, wo wir uns Tipps und Hilfe holen können, die wir auch sehr schätzen.“ 

Interview

Expertentipps

Helmut List, Managing Partner bei Kohl & Partner, hat sich unter anderem auf Übergaben spezialisiert. Im Interview erklärt er, worauf es ankommt.

Das Gespräch führte Daniel Feichtner.

Helmut List
Helmut List, Managing Partner bei Kohl & Partner
© Kohl & Partner

SAISON: Herr List, wann muss die Übergabe vorbereitet werden?
Helmut List:  Idealerweise schon drei bis fünf Jahre vor der tatsächlichen Übergabe. Zugleich ist es aber auch ein Prozess, der ein klares Ziel und definiertes Ende haben muss.

Welche Bereiche müssen abgedeckt werden?
Keine Betriebsübergabe ohne Erbteilung. Deswegen muss neben Steuer- und Erbrecht sowie betrieblichen Bereichen auch die familiäre und emotionale Ebene abgedeckt werden.

Wen sollte man involvieren?
Zu Beginn auf alle Fälle die ganze Familie, da die Erbteilung geklärt werden muss. Wenn es danach um die betriebliche Zukunft geht, alle Akteure – also Übergeber und Übernehmer.

Wann ist eine Übergabe abgeschlossen?
Offiziell mit der rechtlich formalen Übergabe. Tatsächlich aber erst, wenn die Verantwortung abgegeben und von der Next Generation zur Gänze übernommen worden ist.  
 
Wer hilft?
Die Zukunft von Betrieb und Familie steht an erster Stelle. Emotionale und familiäre Belange zu klären, dabei hilft ein externer Fachberater. Im Anschluss unterstützen dann Notare, Juristen und Steuerberater bei der reibungslosen und kostengünstigen Abwicklung.

Vielen Dank für das Gespräch.

THEMEN IN DIESEM ARTIKEL:
#Arbeiten im Tourismus#Familienbetriebe
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