Generationenwechsel
© Hotel Mohren
Als 2015 im Hotel Zum Mohren in Reutte Renovierungsarbeiten anstanden, nahm Hotelchef Hermann Ruepp das zum Anlass, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Dabei kam der damals 62-Jährige zu dem Schluss, dass der Zeitpunkt gut wäre, sich mit dem Ruhestandsthema auseinanderzusetzen: „Meine Arbeitsjahre waren voll. Und es kommt der Moment, an dem man die nächste Generation ans Ruder lassen sollte“, ist er überzeugt.
„Meine Arbeitsjahre waren voll. Und es kommt der Moment, an dem man die nächste Generation ans Ruder lassen sollte.“
Klare Verhältnisse
„Die Entscheidung kam ein wenig überraschend für uns“, erinnert sich Roland Ruepp, einer der drei Söhne des Hoteliers. „Unvorbereitet waren wir aber nicht.“ Sowohl er als auch sein Bruder Thomas hatten die Villa Blanka absolviert – Roland die Höhere Lehranstalt und Thomas die Fachschule als Küchenchef. Der dritte Bruder Stefan hatte sich schon früher gegen einen Werdegang im Gastgewerbe entschieden. „Wir sind im Hotel aufgewachsen, und besonders wir beide haben Tourismus im Blut“, meint Roland Ruepp. So war klar, dass sie die Nachfolge antreten würden – jeder in seinem Bereich.
„Wir sind im Hotel aufgewachsen und haben Tourismus im Blut.“
Unangenehme Szenarien
Für den eigentlichen Übergabeprozess holten sich die Ruepps Hilfe an Bord: erst den eigenen Steuerberater und dann zusätzlich einen Notar, um das Vertragswerk auszuformulieren. Externe Experten zur Hand zu haben war dabei unerlässlich, sagt Roland Ruepp: Bei der Übergabe mussten nicht nur die Besitzverhältnisse mit Stefan geklärt werden. Es standen auch unangenehme Themen zur Debatte: „Zum Beispiel was geschieht, wenn Thomas oder mir etwas passiert. Das sind Dinge, an die man selbst nicht denkt – oder denken möchte.“ Zudem galt es, die Wohnverhältnisse zu klären: „Die Wohnung unserer Eltern ist im Hotel. Und das musste natürlich vertraglich abgesichert werden.“
Für die Ruepps ging die Übergabe verhältnismäßig schnell vonstatten. Zum einen, weil alle Parteien sich von Beginn an einig waren, und zum anderen, weil das Hotel dank der Renovierung am neuesten Stand war. Roland und Thomas konnten so einen Betrieb übernehmen, der auch topfit für eine Betriebsanlageninspektion war. Damit sind sie aber eher ein Ausnahmefall. Nicht umsonst empfiehlt die Wirtschaftskammer, sich drei bis fünf Jahre Zeit zu nehmen, bis alles geregelt ist – insbesondere, wenn noch Uneinigkeit über die Zukunft des Betriebs herrscht. „Und das muss man angehen, bevor übergeben werden muss“, warnt Hermann Ruepp. „Ist einmal etwas passiert – ein Krankheitsfall oder Schlimmeres –, ist es zu spät, eine geordnete Übergabe zu organisieren.“
„Das muss man angehen, bevor übergeben werden muss. Ist einmal etwas passiert – ein Krankheitsfall oder Schlimmeres –, ist es zu spät, eine geordnete Übergabe zu organisieren.“
Fließender Übergang
Nur weil eine Übergabe rechtlich in trockenen Tüchern ist, ist sie aber noch lange nicht abgeschlossen. Die Übernehmenden müssen sich oft erst etablieren – bei Stammgästen und Lieferanten, zu denen oft jahrelange Beziehungen bestehen, gibt es Konfliktpotenzial. Da Roland und sein Bruder schon lange im heimischen Betrieb tätig waren, sei das aber reibungslos vonstattengegangen, meint er.
Zugleich kann das Loslassen des Lebenswerks gerade für eingefleischte Hoteliers ein schwieriger Prozess sein. Hermann Ruepp sieht das allerdings eher gelassen – immerhin hat er sich ganz bewusst dazu entschieden, das Kommando abzugeben. Untätig ist er deswegen aber bei Weitem nicht. „Ich arbeite weiter im Hotel. Und ab und an muss ich auch den ‚Chef-Reflex‘ unterdrücken. Da sind Roland und Thomas aber nachsichtig.“ Aus großen Entscheidungen halte er sich heraus – was nicht bedeutet, dass sein Know-how brachliegt. Ganz im Gegenteil: „Unser Vater steht uns mit Rat und Tat und viel Erfahrung zur Seite“, sagt Roland Ruepp. „Die Entscheidungen treffen mittlerweile wir. Aber wir wissen immer, wo wir uns Tipps und Hilfe holen können, die wir auch sehr schätzen.“
Interview
Expertentipps
Helmut List, Managing Partner bei Kohl & Partner, hat sich unter anderem auf Übergaben spezialisiert. Im Interview erklärt er, worauf es ankommt.
Das Gespräch führte Daniel Feichtner.
© Kohl & Partner
SAISON: Herr List, wann muss die Übergabe vorbereitet
werden?
Helmut List: Idealerweise schon drei bis fünf
Jahre vor der tatsächlichen Übergabe. Zugleich ist es
aber auch ein Prozess, der ein klares Ziel und
definiertes Ende haben muss.
Welche Bereiche müssen abgedeckt werden?
Keine Betriebsübergabe ohne Erbteilung. Deswegen muss
neben Steuer- und Erbrecht sowie betrieblichen Bereichen
auch die familiäre und emotionale Ebene abgedeckt
werden.
Wen sollte man involvieren?
Zu Beginn auf alle Fälle die ganze Familie, da die
Erbteilung geklärt werden muss. Wenn es danach um die
betriebliche Zukunft geht, alle Akteure – also Übergeber
und Übernehmer.
Wann ist eine Übergabe abgeschlossen?
Offiziell mit der rechtlich formalen Übergabe.
Tatsächlich aber erst, wenn die Verantwortung abgegeben
und von der Next Generation zur Gänze übernommen worden
ist.
Wer hilft?
Die Zukunft von Betrieb und Familie steht an erster
Stelle. Emotionale und familiäre Belange zu klären,
dabei hilft ein externer Fachberater. Im Anschluss
unterstützen dann Notare, Juristen und Steuerberater bei
der reibungslosen und kostengünstigen Abwicklung.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das könnte Sie auch interessieren
Mehr als Zahlen
Anita Zehrer erforscht am MCI Tiroler Familienbetriebe – nicht zuletzt aus dem Tourismus. Ihr BWL-Studium war dabei ein guter Einstieg. Um das Gesamtbild zu überblicken, musste sie aber lernen, Unternehmen nicht nur auf Faktenebene zu betrachten.
Selbst am Image arbeiten
Dass Berufe im Tourismus einen nach wie vor schlechten Ruf haben, ist Fakt. Dagegen lässt sich viel unternehmen – im Großen wie im Kleinen.
Der junge Tiroler Weg
Editorial Florian Phleps, Geschäftsführer Tirol Werbung


