„Man muss den Beruf Koch wieder sexy machen“
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SAISON: Herr Parth, Sie wurden vor kurzem zum Koch des Jahres gewählt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung? Benjamin Parth: Die Auszeichnung bedeutet mir sehr, sehr viel – sie gehört zu den Highlights von dem, was man als Koch erreichen kann. Das große Ziel ist jetzt natürlich die vierte Haube. Die fehlt uns noch, und darauf arbeiten wir jetzt hin.
Sie haben sehr jung schon Meilensteine erreicht, für die andere ihr ganzes Berufsleben brauchen. Wie war das für Sie? Natürlich hat man immer schauen müssen, dass man trotz allem auf dem Boden beleibt. Richtig realisieren kann man das aber eigentlich erst jetzt, mit 30, mit ein bisschen Abstand. Das ist natürlich auch noch kein Alter, aber da denkt man dann schon, ziemlich cool, was ich mit 20 erreicht habe, oder mit 23.
Warum sind Sie überhaupt Koch geworden? Jamie Oliver hat mich sehr fasziniert, als ich zehn, zwölf Jahre alt war, das war gerade seine ganz große Zeit. Und ich bin im elterlichen Betrieb aufgewachsen, da war die Küche natürlich interessant.
„Abschalten ist natürlich schwierig, das ist eine Koch-Krankheit.“
Stichwort Nachwuchs: Kommen in Tirol Talente nach, die in Ihre Fußstapfen treten können? Das hoffe ich, und ich glaube, dass auch einige unterwegs sind. Aber man muss natürlich den Beruf Koch wieder sexy machen. Wenn ich mit jungen Leuten – jünger als ich – beim Bewerbungsgespräch rede, ist ihr Ziel eigentlich immer, auf dieser Zeitschrift zu sein, in dieser Sendung dabei zu sein etc. Der Beruf Koch ist ein schöner Beruf, weil man seiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen kann, wenn man die Möglichkeit bekommt. Aber ich glaube, man muss Leuten auch einfach wieder klar machen, dass man auch hart dafür arbeiten muss, wenn man erfolgreich sein will.
Was braucht man, wenn man als Koch erfolgreich sein will? Man muss es mit viel Liebe machen. Man muss auch auf die Zähne beißen können, weil man natürlich nicht jeden Tag Lust hat, am Herd zu stehen. Und man braucht einen langen Atem – man darf sich nie ausruhen.
Was ist Ihre kulinarische Philosophie? Purismus. Ich will es dem Gast so einfach wie möglich machen: Er soll schmecken, was auf dem Teller ist, er soll erkennen, was auf dem Teller ist, und er soll danach wissen, was er gegessen hat.
Wie lange dauert es, bis ein Gericht bereit für das Restaurant ist? Das kann ein Jahr dauern, aber auch zwei Jahre, wo einfach immer die Idee im Hinterkopf schlummert, bis es dann passt. Kochen ist meistens nicht so romantisch, wie man es sich vorstellt.
Wie ist es, wenn Sie privat in Restaurants gehen oder bekocht werden – können Sie da abschalten und einfach genießen? Abschalten ist natürlich schwierig, das ist eine Koch-Krankheit. Ganz weg komme ich nie davon, dafür bin ich glaube ich einfach zu fanatisch. Aber das ist ja nicht schlecht. Es belastet mich nicht, weil ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe.
Vielen Dank für das Gespräch.
© Jörg Lehmann
Zur Person
Benjamin Parth (*1988) ist im elterlichen Hotel Yscla in Ischgl aufgewachsen. Auf die Lehre bei Spitzenkoch Heinz Winkler in Aschau folgten weitere Stationen im Ausland. Seit 2008 ist Parth Küchenchef im Gourmetrestaurant Stüva in Ischgl, wo er sich 2009 zum jüngsten Haubenkoch Österreichs kochte.
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