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Im Angesicht des Klimawandels

Das Expertenforum Klima.Schnee.Sport hat sich mit den Folgen des Klimawandels für den Wintersport  befasst. Die Forscher warnen – und skizzieren Maßnahmen für Regionen, um der Entwicklung zu begegnen.

MAI 2019Text: Daniel Feichtner
Im Angesicht des Klimawandels

© Shutterstock.com

Das Klima wandelt sich. Das ist nicht nur unter Wissenschaftlern unumstritten, sondern auch in der Bevölkerung und bei (nahezu) allen Politikern angekommen. Die Prognosen sind ebenso dramatisch wie die Implikationen: „Bis zur Jahrhundertwende wird die Temperatur im Alpenraum und den Mittelgebirgen um zumindest zwei Grad steigen“, bestätigt Ralf Roth, Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) und Vorstand der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS)s. „Und zwar quer durch alle Jahreszeiten.“

D-A-CH-Kooperation

Unterschritten werden könne dieser Wert nur, wenn es gelinge, in globaler Zusammenarbeit die Notbremse zu ziehen. „Dazu wäre es nötig, tiefgreifende Maßnahmen zur Emissionsreduktion umzusetzen, wie sie im Pariser Klimaabkommen vorgesehen sind.“ Gemeinsam mit Kollegen von 13 weiteren Forschungseinrichtungen aus dem D-A-CH-Raum war Roth an dem viertägigen Expertenhearing Klima.Schnee.Sport beteiligt. Dort befassten sich Wissenschaftler – von Gebirgs- und Klimaexperten über Geographen und Meteorologen bis hin zu Schnee- und Lawinenforschern – mit den Perspektiven des Schneesports angesichts des Klimawandels. Zielsetzung war, Faktenklarheit und eine Basis für eine wissenschaftliche Diskussion zu schaffen. Diese soll den Erkenntnistransfer zwischen Wissenschaft und Praxis erleichtern. Dazu wurde nun ein Positionspapier veröffentlicht, das die Suche nach Lösungen beschleunigen soll.

Ralf Roth

„Seilbahnbetreiber, Unternehmer, Verbände und Destinationen haben die Chance, sich aktiv an der Herausforderung ‚Klimawandel‘ zu beteiligen.“

Ralf Roth, Deutsche Sporthochschule Köln

Fakten und finanzielle Folgen

Die Folgen des Klimawandels sind nicht nur abstrakter Natur. Neben den ökologischen Schäden lassen sie sich auch in bare Münze umrechnen. Betroffen sind neben Ökosystemen auch Wirtschaftsräume und die dort angesiedelten Branchen – im Alpenraum allen voran der Tourismus, der das wirtschaftliche Rückgrat vieler Region bildet. „Eine für den Schneesport geeignete, natürliche Schneedecke wird in den Alpen und Mittelgebirgen langfristig weiter zurückgehen“, erklärt Roth. „Effektiv bedeutet das eine Verkürzung der Schneebedeckung um mehrere Wochen im Spät- und etwas weniger ausgeprägt im Frühwinter.“ Aber nicht nur die Niederschlagssituation wird sich verändern. Die steigende Durchschnittstemperatur schmälert auch die Zeitfenster, in denen technisch Schnee erzeugt werden kann. All das sind  Entwicklungen, die noch von der Jahr-zu-Jahr-Variabilität überlagert werden. Mit der kontinuierlichen Erwärmung steigen aber die Temperaturmaxima regelmäßig und werden das auch weiter tun. Verantwortungsbewusstes Handeln Mit dem Positionspapier soll die nachhaltige Entwicklung des Wintersports vorangetrieben werden, um Angebote zu sichern und Arbeitsplätze in ländlichen Gebieten zu erhalten. „Die Verantwortung dafür liegt bei den Wintersportverbänden“, sagt Roth. „Seilbahnbetreiber, Unternehmer, Verbände und Destinationen haben die Chance, sich aktiv an der Herausforderung ‚Klimawandel‘ zu beteiligen“. Mit entsprechenden Maßnahmen könnten sie zur Minderung der Treibhausgasemissionen als auch zur Anpassung an die Folgewirkungen beitragen.

Fundament gelegt

Die Veröffentlichung identifiziert drei Fundamente, die zur Zukunftssicherung des Wintersports nötig sind: Einmal eine regional angepasste Diversifizierung gepaart mit technologischen und organisatorischen Innovationen zur Sicherung der lokalen Weiterentwicklung. „Dazu kommen eine Steigerung der Energieeffizienz und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen Energie, Wasser und Fläche“, erklärt Roth. „Das ist Voraussetzung für eine langfristige, wirtschaftlich tragfähige Entwicklung, und bietet Ansätze für Marketing und Kommunikation.“ Zu guter Letzt müssen besonders tiefe und mittlere Lagen standortspezifische Analysen anstrengen. Denn nur wer weiß, welche klimatologischen Parameter für die Destination relevant sind, wie empfindlich ihr Marktsegment und wie groß die Kapazität für Anpassung ist, könne sein Produkt nachhaltig entwickeln.     

Mit diesen Empfehlungen ist die Arbeit der Experten nicht abgeschlossen. Noch dieses Jahr sind Folgeveranstaltungen mit Akteuren aus Wintersport und -tourismus in Vorbereitung. „Außerdem sind weitere Forschungs- und Transferprojekte geplant“, sagt Roth. „Die Rückmeldungen auf das Positionspapier aus Politik, Industrie, Sportverbänden, der Seilbahnbranche und dem Tourismus waren sehr positiv. Daran hoffen wir, anknüpfen zu können.“

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#Klimawandel
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