Hier steckt Alm drin
© Shutterstock.com / Erlebnis Sennerei Zillertal
Als „Zuspitzung der alpinen Kulinarik“ sieht man die Almprodukte bei der Agrarmarketing Tirol (AMTirol), sagt ihr Geschäftsführer Matthias Pöschl. Bereits vor einigen Jahren hat man das Projekt „Almleben“ ins Leben gerufen. Dabei werden Almen, die Milchvieh halten und Produkte wie Almmilch oder Almkäse herstellen, von der AMTirol unterstützt, indem man ihnen Berater (unter anderem in den Bereichen der Produktentwicklung und der Qualitätssicherung) zur Seite stellt. Den mittlerweile knapp 50 Almen, die an dem Projekt beteiligt sind, soll dadurch ermöglicht werden, marktkonform zu produzieren.
Almprodukte als „kulinarische Visitenkarte“
Für die AMTirol werden die Almprodukte laut Matthias Pöschl zukünftig ein noch wichtigeres Thema, als sie das ohnehin schon sind. Hinsichtlich der Frage „Was ist die kulinarische Visitenkarte Tirols?“, an der die gesamte Lebensraum Tirol Holding arbeiten wird, solle die Almkulinarik in den nächsten Jahren ein ganz zentrales Positionierungselement darstellen, erklärt Pöschl. Die Basis hierfür ist es, die Produkte zu entwickeln.
Neuestes „Speerspitzenprodukt“ ist das Almrind, das über TANN bzw. Spar vertrieben wird und nun auch in den Gastro-Großhandel kommt und bei Eurogast Riedhart verfügbar sein wird, um „das Ganze sukzessive auch in Richtung Gastronomie auszudehnen“, so Pöschl. Hinzu kommen viele weitere Produkte, die mit verschiedenen Partnern wie Hörtnagl oder der ErlebnisSennerei Zillertal hergestellt und vertrieben werden.
„Ziel muss sein, dass jeder in gleichem Maße profitiert.“
Bessere Qualität durch besseres Tierwohl
Seit mittlerweile mehr als 25 Jahren betreibt etwa die Firma Hörtnagl das Projekt Grauvieh Almochs. Von Beginn an habe man genaue Fütterungsrichtlinien an die beteiligten Bauern gestellt und sie außerdem dazu verpflichtet, die Tiere zu alpen, erklärt Hans Plattner, geschäftsführender Gesellschafter bei Hörtnagl. Zweimal im Leben kommt jedes Tier auf die Alm. Diese Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Tiere schlage sich auch positiv auf das Fleischprodukt nieder, so Plattner.
Ein zweites, deutlich jüngeres Projekt, das Hörtnagl in Zusammenarbeit mit der AMTirol verantwortet, ist das „Almschwein“. „Früher war es ja so, dass man auf jeder Melkalm auch ein paar Schweine dabei hatte“, weiß Plattner. Diesen gab man die bei der Käseherstellung anfallende Molke zu fressen. In Anlehnung daran habe man dieses neue Vorhaben entwickelt und einen Ring von daran beteiligten Almen quer durch Tirol aufgebaut.
Saisonalität als Schwierigkeit
Die Herausforderung bei beiden Produkten ist, dass sie durch die Alpung während des Sommers für einige Monate nicht verfügbar sind. „Aus marketingtechnischer Sicht ist das natürlich nicht optimal“, betont Plattner. Die Saisonalität ist generell eine Schwierigkeit, mit der man bei vielen Almprodukten zu kämpfen hat. So kann beispielsweise die Almmilch der ErlebnisSennerei Zillertal nur von Anfang Juni bis Anfang Oktober, also während sich die Rinder auf den Almen befinden, angeboten werden.
Um die Erzeugnisse trotzdem gewinnbringend verkaufen zu können, müsse man den Kunden näherbringen, was hinter den Produkten steckt, ist man sich sowohl bei Hörtnagl als auch im Zillertal einig. Der Konsument werde immer kritischer und wolle genauer wissen, wo die Produkte herkommen und wie sie entstehen, sagt Christian Kröll, Geschäftsführer der ErlebnisSennerei Zillertal. „Je genauer hingeschaut wird, desto mehr sind wir durch die extensive Landwirtschaft, die unsere knapp 350 Bergbauern betreiben, und die gelebte Transparenz im Vorteil“, ist Kröll überzeugt.
„Hundertprozentige Transparenz“
Doch nicht nur die ErlebnisSennerei mit dazugehörigem Schaubauernhof versucht zu vermitteln, wie viel Arbeit in den einzelnen Almprodukten steckt. Auch bei Hörtnagl setzt man auf „hundertprozentige Transparenz“ und hat deshalb den „Almtag“ eingeführt. Jedes Jahr gibt es am zweiten Sonntag im August für die Kunden die Möglichkeit ins Schmirntal, die dichteste Grauviehregion Tirols, zu fahren, sich alles anzuschauen und mit den Bauern direkt zu reden. Zudem kommt bei Hörtnagl eine aufwendige Form der Einzelzerlegung zum Einsatz. Dadurch können Konsumenten genau nachverfolgen, welches Stück Fleisch von welchem Bauern kommt, und diese auch persönlich kontaktieren. „Und das passiert auch“, sagt Hans Plattner.
Kunden und Bauern zufrieden
Derartige Einblicke sorgen bei den Konsumenten auch für mehr Verständnis für die etwas höheren Preise von Almprodukten. Allerdings habe man ohnehin die Erfahrung gemacht, dass „die Kunden hier nicht preissensibel sind“, erklärt Plattner. Doch nicht nur die Kunden, auch die Bauern sind zufrieden. An die 300 Bauern sind am Projekt des Grauvieh Almochs beteiligt und es kommen immer wieder neue dazu. Der Ring von Almschwein-Almen ist mittlerweile auf 15 Landwirtschaftsbetriebe mit über 300 Schweinen angewachsen.
„Für die Bauern ist das ein Bombengeschäft“, so Plattner weiter. Annähernd doppelt so viel wie für ein „normales“ Schwein zahlt Hörtnagl den beteiligten Landwirten. Das freut auch die AMTirol. „Ziel muss sein, dass jeder, der an der Wertschöpfungskette dranhängt, in gleichem Maße profitiert“, betont Matthias Pöschl. Und Hans Plattner stellt fest: „In dieser Zusammenarbeit gibt es eigentlich nur Sieger.“
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kunden hier nicht preissensibel sind.“
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