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MEGATRENDS

Am besten aus einem Guss

Nutzen statt besitzen – das ist nur eines der Schlagworte, die im Bereich Mobilität die Zukunft bestimmen. Der Tourismus steht vor der Herausforderung, Gästeverhalten mit nachhaltiger Verkehrsplanung in Einklang zu bringen.

MÄRZ 2019Text: Susanne Gurschler
Megatrends Mobilität

© VVT, Uni Innsbruck, Shutterstock.com

Die Mobilität der Zukunft ist ent- und beschleunigt zugleich: Immer mehr Menschen werden bewusst auf ein eigenes Auto verzichten und verschiedene Formen der Fortbewegung kombiniert nutzen, wie zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel und Carsharing oder E-Bike. Gleichzeitig werden neue technische Entwicklungen für immer schnellere Fortbewegung sorgen. Hochgeschwindigkeitszüge, Überschallflugzeuge, Hyperloopstrecken – große Distanzen lassen sich damit in kurzer Zeit überwinden.

Der Tourismus steht vor der Herausforderung, diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Keine einfache Aufgabe für eine Tourismusregion wie Tirol.

Tirol auf Schiene

Zu den zentralen Strategien der Tirol Werbung gehört, „Nachhaltigkeitsimpulse im Bereich Mobilität“ zu geben. Im Zentrum stehen dabei die Beweglichkeit der Gäste in der Region (ÖPNV) und die nachhaltige Anreise. „Bei der Anreise mit der Bahn setzen wir auf mehr Direktverbindungen“, erläutert Katleen Johne, in der Tirol Werbung für Tourismusentwicklung und Partnerservice zuständig. Das Projekt „Tirol auf Schiene” läuft seit mehreren Jahren.

Alexander Jug

„Der Gast möchte alles mit einem Klick erledigt haben.“

Alexander Jug, Geschäftsführer VVT

Über Marketingkampagnen kommuniziert die Tirol Werbung Bahnanreisen mit Fokus auf Direktverbindungen. Bestanden 2012 70 Fernverkehrshalte, waren es 2018 bereits 180. 2019 sind es über 190. „An den Wochenenden gibt es – ganz neu – ICE-Direktverbindungen, die aus Hamburg/Hannover bzw. Dortmund über Seefeld nach Innsbruck kommen“, so Johne.

In urbanen Gebieten verzichten junge Menschen verstärkt auf das Auto – nutzen dafür aber Transportangebote, die ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen. Schnell und bequem soll es für sie auch in den Urlaub gehen, das hat die Studie „Easy Travel – New Mobility Concepts in Tourism“ unterstrichen, durchgeführt von der Universität Innsbruck, Arbeitsbereich Intelligente Verkehrssysteme, und Projektpartnern. Exemplarisch wurden 11.000 Bahn- und Flugreisende sowie Gäste befragt, die im Ötztal Urlaub machen.

Die Studie zeigt: Im Winter verhindern komplizierter Gepäcktransport, sperrige Sportausrüstung und das Umsteigen bei nicht direkter Erreichbarkeit der Destination, dass der Gast die Bahn wählt. Bei Sommertouristen haben die Sorge vor mangelnder Mobilität vor Ort und der Ticketpreis einen hohen Stellenwert.

Der Auftrag an die Touristiker ist daher klar. Es braucht möglichst lückenlose Verbindung, intelligente Lösungen beim Gepäcktransport und ein Mobilitätsangebot vor Ort. Den ÖPNV durch Carsharing zu ergänzen, hätte Potenzial.

Transfer
Die Tirol Werbung unterstützt Bahnanreisen mit Werbekampagnen.
© Tirol Werbung
Transfer
Ein lückenloser Transfer bis zur Destination ist Reisenden extrem wichtig.
© Tirol Werbung

Die letzte Meile

Was heute schon in vielen Großstädten und im ganz kleinen Maßstab in Gemeinden, Betrieben und Nachbarschaften funktioniert, scheitert in stark von den Saisonen geprägten Tourismusregionen noch an den Betreiber- und Geschäftsmodellen. „In Easy Travel wurden Konzepte entwickelt, die Carsharing für Mitarbeiter im Tourismus, Einwohner und Gäste gleichermaßen interessant machen sollen“, so Markus Mailer, Professor für Verkehrsplanung an der Uni Innsbruck und Leiter des „Easy Travel“-Projekts.

Mit www.bahnhofshuttle.tirol wurde ein Last-Mile-(Gepäck-)Service vom Flughafen bzw. der Bahn zur Unterkunft eingerichtet (in Osttirol und Außerfern müssen erst Gespräche mit regionalen Anbietern geführt werden). Zudem gibt es eine Tirol-Taxi-App der Wirtschaftskammer, die Besuchern den Kontakt zum nächstgelegenen Taxiunternehmen anzeigt. Die Ideallösung, Direktzug/-flug und letzte Meile in einem Schritt zu buchen, ist freilich noch nicht erreicht.

Der Verkehrsverbund Tirol (VVT) arbeitet mit Hochdruck an einem Online-Ticketshop, an einheitlichen Tarifsystemen und an der Einbindung von Carsharing-Angeboten. Doch es gilt auch, die nationalen und internationalen Anbieter einzubinden. Denn weder wollen sich die Gäste durch die verschiedenen Fahrpläne noch durch die verschiedenen Tarifpläne quälen, weiß Alexander Jug, Geschäftsführer des VVT: „Der Gast möchte alles mit einem Klick erledigt haben. Eine Karte für die gesamte gewählte Strecke, am besten einfach online gekauft, das ist das Ziel.“

Markus Mailer

„In Easy Travel wurden Konzepte entwickelt, die Carsharing interessant machen.“

Markus Mailer, Professor für Verkehrsplanung, Uni Innsbruck

Sensibilisierung

Die Informationen über vernetzte Angebote sollten gut sichtbar und kompakt auf den Websites der Tourismusbetriebe stehen. Denn was die Anreise und Vor-Ort-Mobilität anbelangt, informieren sich die Gäste gern direkt bei den Tourismusverbänden und den Unterkünften. Um die Touristiker für das Thema zu sensibilisieren, hat die Tirol Werbung einen Mobilitätscoach installiert, der genau in diesem Bereich informiert. Das Angebot werde von den TVB gut angenommen, sagt Katleen Johne. Luft nach oben gebe es natürlich, insbesondere bei den Vermietern.

Tirol wird in Zukunft jedenfalls verstärkt mit Beschleunigung der Mobilität und gewünschter Entschleunigung vor Ort konfrontiert sein. Auf diesen Trend gilt es rechtzeitig zu reagieren.

THEMEN IN DIESEM ARTIKEL:
#Verkehr#Mobilität
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