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„Wir müssen Themen proaktiv angehen“

Um die besten Antworten auf aktuelle Herausforderungen und Zukunfts­fragen des Tourismus in Tirol zu finden, hat sich die Tirol Werbung neu aufgestellt. Die Leitlinien dazu gab der Tiroler Weg vor, neben Marketing spielen Forschung und Innovation sowie Nachhaltigkeit und Partnerschaften die Hauptrolle, erzählt Geschäftsführerin Karin Seiler im Interview.

JUNI 2023Text: Das Gespräch führte Esther Pirchner
Tiroler Weg

© shutterstock.com

Saison: Die Tirol Werbung hat sich neu strukturiert. Ist die Kernaufgabe dieselbe? Karin Seiler: Das Herzstück der Tirol Werbung ist Marketing und wird es auch immer sein. 50 Prozent aller Ressourcen und 70 Prozent des Budgets fließen in diesen Bereich. Von diesen Marketinggeldern wenden wir schon heute 90 Prozent im Online-Marketing auf, wo man sehr zielgruppengenau arbeiten kann.Wir sind vom klassischen Marktmanagement weggegangen. Stattdessen haben wir über die Motivforschung die drei wichtigsten Zielgruppen ausgemacht: verbundene Energiebündel, anspruchsvolle Reisefans und erholungsuchende Familien. Unsere Mitarbeiter:innen denken sich in diese Zielgruppen hinein und schauen, welches Produkt sie brauchen.

Welche anderen Bereiche decken Sie ab? Im Bereich Forschung und Innovation betreiben wir Marktforschung und kümmern uns um das Themenmanagement. Neu gegründet wurde das Future Lab, in dem fünf Mitarbeiter:innen an den langfristig wesentlichen Themen arbeiten. Sie kümmern sich jeweils um ein bestimmtes Problem und führen dazu Projekte mit vielen Stakeholdern durch. Der andere wichtige Bereich umfasst Nachhaltigkeit und Partnerschaften, dazu gehören Cine Tirol, das Convention Bureau Tirol und das Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit, in dem mittlerweile acht Personen arbeiten. Seine Gründung basiert auf der Erkenntnis, dass wir bestimmte Themen proaktiv angehen müssen. Auch da pflegen wir viele verschiedene Partnerschaften auf unterschiedlichen Ebenen.

Stichwort Nachhaltigkeit: Die TVBs sind seit Kurzem gesetzlich verpflichtet, Nachhaltigkeitskoordinator:innen zu beschäftigen. Welche Rolle kommt der Tirol Werbung dabei zu? Einen Teil unserer Aufgaben sehen wir – im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit – darin, die Koordinator:innen miteinander zu vernetzen. Wir versuchen, dort zu helfen und zu informieren, wo für alle der gleiche Bedarf besteht, zum Beispiel in Bezug auf Zertifizierungen oder die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten.

Karin Seiler

„Unser Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit kümmert sich um die drei großen Themen­kreise: Arbeitskräfte, Klimawandel und Mobilität.“

Karin Seiler, Geschäftsführerin der Tirol Werbung

Welche Themen bearbeitet die Tirol Werbung vorrangig? Im Tiroler Weg sind vier Leitlinien und 16 Handlungsfelder festgelegt. In Absprache mit dem Land Tirol kümmern wir uns um drei große Themenkreise: Arbeitskräfte, Klimawandel und Mobilität. Dazu wurde die Tirol Werbung mit mehr Geld ausgestattet. Das zeigt mir, dass die Politik diese Themen ernst nimmt.

Bleiben wir gleich beim Arbeitskräftemangel – ein Dauerbrenner? Ja, das Thema wird uns noch über Jahre beschäftigen. Im Tourismus ist der Bedarf um 40 Prozent gestiegen, auch weil das Angebot intensiviert wurde und viele Betriebe auf eine höhere Sterne-Kategorie umgestiegen sind. Wir haben uns mit AMS und Wirtschaftskammer vernetzt und arbeiten derzeit an einem Tool, mit dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer:innen niederschwellig und einfach in Kontakt treten können und das wir auch im Ausland für interessierte Arbeitsuchende einsetzen können. Ein weiteres Problem ist nämlich, dass sich das gastronomische Angebot bei einem Rückgang von Arbeitskräften reduzieren wird. Und wenn die Gäste keine Restaurants mehr vorfinden, kann das zu einer wesentlichen Beeinträchtigung des Urlaubserlebnisses führen.

Wo setzt die Tirol Werbung beim Thema Klimawandel an? Auf der Angebots- und Produktseite ist die Frage: Wie gehen wir langfristig damit um, wenn die schneearmen Winter häufiger werden und die Nachfrage nach Skifahren stabil bleibt oder steigt? Und es geht um die Tourismusgesinnung. Immer mehr sagen, dass wir, statt Skigebiete zu erweitern und zusammenzuschließen, nicht mehr größer werden sollten. Hier spielt auch die Frage der Mobilität herein. Es geht nicht nur um die Umstellung auf die Schiene, auch Qualität und Angebot von ÖBB und VVT müssen verbessert werden. Zugleich denken wir die letzte Meile und die Mobilität vor Ort mit. Mit dem VVT verfolgen wir die Vision einer gemeinsamen Tirol Card, die den öffentlichen Verkehr inkludiert. Solche Ideen entstehen, indem wir die Perspektive des Gastes einnehmen, der auch keine Tourismusverbands-Grenzen kennt.

In welchem Zeitraum lassen sich solche Pläne umsetzen? Manche Themen werden uns Jahre beschäftigen, andere lassen sich rasch erledigen. Wir nehmen den Tiroler Weg sehr ernst und haben deswegen im Unternehmen auch die Ressourcen aufgebaut, um die Ziele zu erreichen.

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