Das gewisse Etwas
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Gute Mitarbeiter:innen zu finden, die zum Betrieb passen und im Idealfall langfristig bleiben, ist aktuell eine der größten Herausforderungen in der Tourismusbranche. Fast überall werden Fachkräfte gesucht, was umgekehrt bedeutet, dass sich potenzielle Mitarbeiter:innen sehr genau überlegen können, wo sie hingehen: Passt das Angebot bei einem Betrieb nicht, muss man keine große Angst haben, nicht bei einem anderen fündig zu werden.
Was kann man also tun, um Arbeitskräfte anzuziehen und zu halten? Hier kommt das Schlagwort Benefits ins Spiel: Es zählen nicht nur klassische Aspekte wie Gehalt, Arbeitsort und Image des Unternehmens, sondern auch, was sich Betriebe zusätzlich einfallen lassen, um die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter:innen zu steigern. Diese Vorteile können ganz unterschiedlich ausfallen, damit sie wirken, müssen sie allerdings zum Unternehmen und der Lebensrealität der Mitarbeiter:innen passen, wie drei Best-Practice-Beispiele aus Tirol zeigen.
Stärkung nach innen und außen
Im Alpenresort Schwarz in Mieming setzt man auf ein sehr umfassendes Angebot: Neben Teamevents, Ermäßigungen bei Partnerbetrieben und der Unterkunft in einem eigenen Teamhaus liegt der Fokus hier vor allem auf dem Wohlbefinden und der Weiterentwicklung der Mitarbeiter:innen. „Unser Grundziel ist, mit diesen Benefits unsere bestehenden Mitarbeiter:innen zu unterstützen und zu stärken“, erklärt HR-Managerin Sabine Defrancesco den Ansatz des Tourismusbetriebs. Der Bedarf werde aus regelmäßigen Gesprächen und gezielten Mitarbeiter:innenbefragungen erhoben und das Angebot laufend auf die Bedürfnisse des Teams angepasst. „Aber es ist natürlich ein großer Vorteil, wenn man das auch nach außen kommunizieren und damit das Employer Branding stärken kann.“
Ein wichtiges Thema seien flexible Arbeitszeitmodelle, erzählt sie. „60 Prozent unserer Belegschaft sind Frauen, deshalb war das immer schon ein Thema bei uns, ohne dass wir das als großen Benefit ausgewiesen haben.“ Das gelte aber nicht nur für Familien, sondern besonders auch für die jüngere Generation, die sich neben der Arbeit oft weiterbilden und beispielsweise studieren möchte, und ältere Mitarbeiter:innen, die gern die Altersteilzeit in Anspruch nehmen. Man sei hier sehr offen, die Zeiten so zu gestalten, dass es zur jeweiligen Lebenssituation passe. Die Vereinbarkeit für Familien werde zusätzlich durch eine kostenlose Betriebstagesmutter unterstützt.
„Unser Grundziel ist, mit diesen Benefits unsere bestehenden Mitarbeiter:innen zu unterstützen und zu stärken.“
Nur nicht stehen bleiben
Zwei weitere große Punkte im Benefit-Angebot sind die betriebliche Gesundheitsvorsorge, die von regelmäßigen Fitness- und Wellnessprogrammen bis hin zur kostenlosen Inanspruchnahme von Business-, Lebens- und Sozialberatung reicht, und die regelmäßige Weiterbildung der Mitarbeiter:innen. Letzteres wird unter der Dachmarke Schwarz-Campus zusammengefasst und inkludiert sowohl In-House-Schulungen als auch Kurse bei externen Anbietern. In diesem Rahmen stehen jedem Vollzeitmitarbeiter 600 Euro pro Jahr zur Verfügung, die er oder sie zusätzlich zu betriebsinternen Schulungen individuell in die Aus- und Weiterbildung investieren kann. „Die Weiterbildungsbedürfnisse werden durch Jahres- und Entwicklungsgespräche erhoben, aber auch durch Mitarbeiter:innenbefragungen und Rückmeldungen unserer Gäste, wo sie Bedarf sehen“, erklärt Defrancesco. Es würden aber auch aktuelle Branchentrends berücksichtigt werden, um das Angebot für die Gäste regelmäßig weiterentwickeln zu können.
Der Blick nach außen und vorne sei generell wichtig, besonders in Bezug auf die Mitarbeiter:innen, sagt sie. „Man muss am Ball bleiben und immer im Blick behalten, welche Veränderungen es gibt, gerade jetzt mit New Work, und welche Anforderungen neue Generationen haben. Das ist, denke ich, der entscheidende Faktor, um attraktiv zu bleiben.“
Bunte Mischung
Auch im Stanglwirt setzt man bewusst auf umfassende Benefits, erzählt Lisa-Marie Ponholzer aus dem Human-Resources-Team: „Es ist die Mischung, das Rundumpaket, das es attraktiv macht.“ Dazu gehören beispielsweise die 2020 eröffnete Mitarbeiter:innenresidenz, ein kostenloses Wellness- und Fitnessangebot, Kooperationen mit Betrieben aus der Region und eine hauseigene Weiterbildungsinitiative. Im Rahmen der sogenannten Talenteschmiede wird auf individuelle Ausbildungswünsche eingegangen, zusätzlich werden Schulungen zu allgemeinen und abteilungsspezifischen Themen, aber beispielsweise auch Sprach-, Leadership- und Erste-Hilfe-Kurse angeboten – sowohl in Person als auch über eine eigene e-Learning-Plattform, die kostenlos und zeitunabhängig genutzt werden kann. Sehr gut angenommen werde momentan außerdem die Möglichkeit, im Rahmen eines Pilotprojektes kostenlos E-Autos auszuleihen.
Besonders attraktiv sei aber, dass es sich beim Stanglwirt um einen Ganzjahresbetrieb handelt, der fast allen Mitarbeiter:innen eine im Tourismus immer noch eher unübliche Fünftagewoche bietet – und um einen Familienbetrieb mit klar definierten Werten. „Es braucht Benefits, aber wenn die Werte und das Klima nicht passen, reicht das nicht, um Mitarbeiter:innen zu halten“, sagt Ponholzer. „Die finanziellen Benefits sind zwar wichtig, aber das Arbeitsklima und die Wertschätzung, die man im Arbeitsalltag erlebt, haben noch mal einen viel höheren Stellenwert.“
„Es braucht Benefits, aber wenn die Werte und das Klima nicht passen, reicht das nicht, um Mitarbeiter:innen zu halten.“
Grundvoraussetzungen
Das betont auch Daniel Ganzer, Geschäftsführer des Naturhotel Outside in Matrei in Osttirol: „Das Wichtigste sind Arbeitszeit-Flexibilität und die Wertschätzung im Team. Das ist deutlich gewichtiger als die einzelnen Benefits.“ Man habe relativ viele Teilzeitkräfte im Team sowie einen sehr hohen Anteil an einheimischen Mitarbeiter:innen, was beides nur dank flexibler Arbeitszeitmodelle und der damit zu vereinbarenden Kinderbetreuung möglich sei. „Wir gehen stark auf individuelle Bedürfnisse ein, und das funktioniert.“ Diese Bemühungen seien auch ein Grund dafür, dass die Mitarbeiter:innen in der Regel sehr lange im Betrieb bleiben.
Klassische Benefits wie Preisvorteile bei Partnerbetrieben, ermäßigte Übernachtungspreise für Freund:innen und Familie und die kostenlose Nutzung der Fitness- und Wellness-Infrastruktur seien aber natürlich schöne Zuckerl, die man gerne anbiete. „Wir versuchen, uns laufend zu verbessern, und halten bezüglich Benefits auch immer die Augen offen“, sagt der Hotelier. Einfach mit Sachwerten überschütten würde man das Personal aber nicht: „Wir schauen sehr genau auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter:innen und auch darauf, was zu uns passt und wirklich einen Mehrwert schafft.“
Für die Zukunft will Ganzer besonders das Thema Mitarbeiter:innenunterkünfte stärker forcieren und ausbauen. „Wir haben aktuell viele Einheimische im Betrieb, die keine Unterkunft im Hotel benötigen, aber wir können uns nicht darauf verlassen, dass das immer so bleibt“, erzählt er. Man sei hier im Wettbewerb mit sehr vielen Tourismusbetrieben, die insbesondere in dem Bereich viel investieren würden, deshalb sei es notwendig, sich hier entsprechend zu bemühen.
„Das Wichtigste sind Arbeitszeit-Flexibilität und die Wertschätzung im Team. Das ist deutlich gewichtiger als die einzelnen Benefits.“
Beliebte Benefits
- Flexible Arbeitszeiten
- Fünftagewoche
- Betriebliche Gesundheitsvorsorge
- Weiterbildungsangebot
- Mitarbeiter:innenunterkunft
- Möglichkeit, das Fitness- und Wellnessangebot zu nutzen
- Ermäßigungen bei Partnerbetrieben
- Freizeitmöglichkeiten
- Ermäßigungen für Familie und Freund:innen
- Kostenlose Kinderbetreuung im Betrieb
- Ermäßigte Öffi-Nutzung
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