Das Tauschgeschäft
© Axel Springer
Als Wolfgang und Michaela Spieler im Jahr 2009 17 E-Bikes kauften, waren diese in Tirol noch ziemliche Exoten. Fast zehn Jahre später kann man sich die Elektrofahrräder kaum mehr von Tirols Straßen und Bergen wegdenken. Das Gastronomenpaar erkannte damals das Potenzial der E-Bikes und entwickelte ein Konzept, um die Räder an Hotels zu verleihen. Die Betriebe mussten dafür kein Geld aufbringen, sondern stellten Gutscheine für leerstehende Zimmer zur Verfügung. Eine Idee, die ankam.
Win-Win-Situationen
Aus den 17 E-Bikes des Ellmauer Unternehmens wurden mittlerweile 6.500.
108 E-Cars, darunter auch Tesla-Modelle, komplettieren den Fuhrpark. „Dass wir so schnell wachsen konnten, ist auch der starken Weiterempfehlung unter den Hoteliers zu verdanken“, so Philipp Zimmermann, der Sohn der beiden Gründer. Gemeinsam mit dem Hotelier und Unternehmer Richard Hirschhuber leitet er heute Greenstorm.
Hirschhuber wurde zunächst als Investor ins Boot geholt, stieg dann aber rasch als Manager in das aufstrebende Unternehmen ein. 700 Partner-Hotelbetriebe hat Greenstorm derzeit, 280 davon in Tirol, Vorarlberg und Salzburg. „Wir schaffen Win-Win-Situationen auf allen Ebenen“, sagen die beiden Unternehmer auf die Frage, warum das Greenstorm-Konzept so gut ankomme. Was haben die einzelnen Beteiligten aber konkret von diesem Tauschgeschäft?
E-Bikes und Gäste für die Hotels
Greenstorm beliefert Hotels mit den neuesten E-Bike-Modellen und bekommt im Gegenzug dafür Hotelgutscheine, die es über die Internetplattform we-are.travel verbilligt verkauft. Die Käufer nehmen für die günstigen Gutscheine eine eingeschränkte zeitliche Flexibilität in Kauf. Die Voucher sind nämlich nur nach Verfügbarkeit einlösbar, das Hotel kann selbst den Zeitraum bestimmen, in dem es Kapazitäten frei hat. „Das Hotel hat also keinen Verlust, sondern sogar eine Auslastungssteigerung“, erklärt Hirschhuber. In Zeiten, in denen viele Zimmer des Hotels sonst leer stünden, erhält der Gastwirt durch die Gutscheine neue Gäste und kann zum Beispiel durch Zusatzleistungen etwas dazuverdienen. Auch die E-Bikes selbst ermöglichen einen Zuverdienst, kann das Hotel sie doch gegen Gebühr (meist zwischen 35 und 50 Euro pro Tag) an die Gäste verleihen. Die Bikes werden zudem laufend von Greenstorm gewartet und ausgetauscht.
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Was hat Greenstorm davon?
Den Austausch der gebrauchten Bikes macht Greenstorm nicht ganz uneigennützig, ist es doch auch der größte europäische Player im E-Bike-Gebrauchtmarkt. Die Hotels sorgen somit für den Nachschub: Sie machen aus neuen E-Bikes gebrauchte. Mit ungefähr 1.000 Kilometern am Tacho kommen die Räder in die Greenstorm-Werkstatt, werden rundum gecheckt und erhalten ein Service, bevor sie zum Direkt- und Onlineverkauf wandern. Wo jetzt nur ein paar hundert Räder im Lager stehen, werden nach Saisonende im Oktober mehrere Tausend für den Verkauf vorbereitet.
Neue Ideen
Das derzeitige Verleihmodell mit Hotelgutscheinen wird auch weiterhin aufrecht bestehen bleiben, ab 1. Juli 2018 startet mit G-rent aber ein weiteres System, an dem sich Hotels ebenfalls beteiligen können. Dabei stellt Greenstorm an verschiedenen Standorten E-Bikes zur Verfügung. Das Hotel wickelt den Verleih ab und erhält dafür 30 Prozent des Umsatzes. Kosten entstehen für das Hotel keine. Mit G-rent will Greenstorm die E-Mobilität auf die nächste Stufe heben und regionenübergreifend zusammenarbeiten. Die Idee ist dabei auch, dass Bikes an allen Standorten zurückgegeben werden können.
Hotels als Testcenter
In der Hotellerie werden neue Technologien und Entwicklungen tendenziell früh umgesetzt. „Man setzt oft Sachen ein, die sich die Gäste selbst noch nicht kaufen“, weiß Hirschhuber. Auch bei Whirlpools oder Saunen sei es ähnlich verlaufen. Nun könne der Gast eben E-Bikes im Urlaub ausprobieren. Hotels seien in diesem Sinne immer auch Testcenter für neue Dinge, so Hirschhuber.
Insgesamt stecke die E-Mobilität aber noch in ihren Kinderschuhen. Selbst die Betriebe, die bereits E-Bikes von Greenstorm anbieten, erkennen nicht immer das Potenzial dahinter. Das zeigt sich etwa, wenn man einige Hotelwebsites durchforstet. Auf jeder Website findet man etwa Informationen zum Pool, auf ihre Leih-E-Bikes weisen viele Hotels hingegen gar nicht hin. „Es hängt immer von den einzelnen Betrieben ab, ob sie eine Emotion transportieren können. Natürlich kann man die E-Bikes einfach nur hinstellen, aber wenn man zum Beispiel geführte Touren mit Guides anbietet, ist noch viel mehr möglich“, gibt Zimmermann zu bedenken.
Für E-Cars werden durch das Partnerunternehmen Smatrics auch E-Tankstellen installiert. Die Abrechnung für die Installation erfolgt wiederum über das Gutscheinsystem, die anfallenden Stromkosten für die Tankstelle übernimmt Greenstorm.
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