Wohlgesonnene Gastgeber?
„Die Tourismus-Gesinnung wird entscheidend dabei sein, ob es gelingt, den aktuellen Fachkräftemangel zu überwinden.“
Daran, dass der Tourismus und die damit verknüpften Branchen treibende Kräfte der Tiroler Wirtschaft sind, gibt es keine Zweifel. „Auch den Einheimischen ist das weitgehend bewusst“, ist Theresa Leitner überzeugt. Dennoch herrscht im Tourismusland Tirol Ungewissheit, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin am MCI Tourismus: „Über die Gesinnung der Tiroler gegenüber der Branche wissen wir nur sehr wenig.“ Anders als beim Bewusstsein, das nur die faktische Wahrnehmung beschreibt, geht es bei der Gesinnung um die persönliche Einstellung zum Tourismus. Und darüber liegen kaum Daten vor.
Zwei Jahrzehnte
Die letzte aussagekräftige Studie dazu ist inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte alt. 1997 wurden tirolweit rund 1.200 Personen zu der Thematik befragt. Dabei schnitt der Tourismus sehr gut ab. Doch darüber, wie es heute darum steht, lässt sich bestenfalls mutmaßen. Denn nicht nur der Tourismus hat sich in zwanzig Jahren tiefgreifend verändert. Es ist mittlerweile auch eine völlig neue Generation, die ihm gegenübersteht und ihn beurteilt.
Vergleichbarkeit
Deswegen bereitet das MCI Tourismus mit Mitteln des Forschungszentrums Tourismus aktuell eine neue Untersuchung vor. „Wir erarbeiten derzeit einen Fragenkatalog, der auf der Studie vor zwanzig Jahren aufbaut“, berichtet Leitner. „Dadurch nutzen wir nicht nur den bereits vorhandenen Grundstock, sondern gewährleisten auch, dass die Daten von damals mit denen der neuen Erhebung vergleichbar sein werden.“
Gleich wie bei der ursprünglichen Befragung werden Teilnehmer nicht nur ausgewählt, um einen repräsentativen Schnitt der Tiroler Bevölkerung abzubilden. Auch ihre Nähe zum Tourismus wird berücksichtigt werden. Denn in vorangegangenen Studien hat sich gezeigt, dass Menschen dem Tourismus gegenüber positiver eingestellt sind, je direkter ihr persönlicher Wohlstand vom Tourismus abhängt – ein wichtiger Aspekt, der das Gesamtbild beeinflussen wird.
Wer dem Tourismus gegenüber positiv eingestellt ist, begegnet auch Gästen wohlwollend. Das steigert die Urlaubsqualität.
Schlüsselfaktor
Die neue Studie gewinnt gerade im Hinblick auf die Umsetzung der aktuellen Tourismusstrategie „Tiroler Weg 2021“ zusätzlich an Bedeutung. Sie setzt sich mit dem Thema Tourismus im Lebensraum Tirol auseinander und soll in einer ganzheitlichen Herangehensweise eine Tourismusentwicklung steuern, die die Einstellung und Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigt. Denn die Implikationen des Verhältnisses der Tiroler zum Tourismus sind weitreichend: „Die Tourismus-Gesinnung hat Einfluss auf verschiedenste Bereiche“, sagt Leitner. „Sie wird entscheidend dabei sein, ob es gelingt, den aktuellen Fachkräftemangel zu überwinden.“
Und auch wenn es um zukünftige Großveranstaltungen und -ereignisse geht, ist die Gunst der Bevölkerung wesentlich: „Man nehme nur die Olympia-Befragung im vergangenen Oktober. Auch wenn die Gesinnung dort sicherlich nicht der einzige Faktor gewesen ist, hat sie wohl zum negativen Ergebnis beigetragen.“
Gastfreundschaft
Mindestens genauso wichtig ist auch die Rolle der Einheimischen als Gastgeber. Gerade dort, wo sie sich Infrastruktur und Freizeitangebote mit Gästen teilen, bleiben Interaktionen nicht aus. So sind alle Tiroler schlussendlich Botschafter des Tourismus, egal wie nah oder fern ihnen die Branche persönlich ist. Wer dem Tourismus gegenüber positiv eingestellt ist, begegnet auch Gästen wohlwollend. Das steigert die Urlaubsqualität. Negative Interaktionen können dagegen schnell zu einer Qualitätsminderung beitragen. Damit sind nicht nur strategische und politische Entscheidungen davon abhängig, wie die Tiroler dem Tourismus gesonnen sind. Auch die Qualität, die Gästen in Zukunft geboten werden kann, hängt davon ab.
Ausbaupotenzial
Die neue Befragung wird voraussichtlich im Juni anlaufen. Geplant sind in etwa gleich viele Teilnehmer wie 1997. Und auch die Auswertung soll noch dieses Jahr erfolgen. Wünschenswert wäre allerdings noch ein ergänzendes Projekt, zusätzlich zu der tirolweiten Studie, meint Leitner: „Für die Arbeitsmarkt-Situation ist entscheidend, wie die aktuell in Ausbildung befindliche Generation die Branche sieht. Da würde es sich anbieten, mit einer zusätzlichen Umfrage mit einem Fokus auf Schülerinnen und Schüler nachzuhaken.“
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Editorial Josef Margreiter, Geschäftsführer Tirol Werbung


