Im Interview: Johannes Köck
© Franz Oss
Wie kam es 1998 zur Gründung von Cine Tirol und
welche Rolle spielten Sie dabei?
Der Tiroler Regisseur und Produzent Erich Hörtnagl
überzeugte den damaligen Geschäftsführer der Tirol
Werbung, Josef Margreiter, Mitte der 90er-Jahre von
der Idee, Tirol als Filmland aktiv zu bewerben und
dadurch wirtschaftliche, mediale und
filmtouristische Effekte zu generieren. Im Auftrag
der Tirol Werbung verfasste Hörtnagl eine
Machbarkeitsstudie, die ab Jänner 1996 als Grundlage
für die Planung und Umsetzung der weiteren Schritte
diente. Da ich als früherer Marktbetreuer und
damaliger Bereichsleiter Kommunikation der Tirol
Werbung bereits einige Erfahrung mit
Filmproduktionen hatte (darunter die Akquisition der
TV-Serie „Der Bergdoktor“ nach Tirol und
entsprechende Dreharbeiten), hat mich Josef
Margreiter gebeten, den Gründungsprozess von Cine
Tirol zu begleiten und in weiterer Folge die Leitung
zu übernehmen. Diese spannende und ehrenvolle
Aufgabe habe ich mit größter Freude und Begeisterung
übernommen, auch weil sie meinem Interesse für Film
in besonderer Weise entsprochen hat.
Wann haben Sie Ihre Liebe zur Thematik Film und
Filmproduktion entdeckt?
Schon sehr früh – mein Vater hat mich regelmäßig
mit ins Kino genommen, wo wir dann die Wochenschau
und Trickfilme gesehen haben. Später habe ich dann
in der MK mitgeholfen, samstagnachmittags Filme im
damaligen John F. Kennedy Haus in der Sillgasse zu
zeigen. Es hat mich immer fasziniert (und das tut es
noch heute), dass speziell das Kino einen Raum
geschaffen hat, in fremde Länder zu reisen,
spannende Abenteuer zu erleben, unglaubliche
Geschichten kennenzulernen und eine Verbindung mit
der Welt herzustellen. Später war es die Trilogie
„Drei Farben: Blau, Weiß, Rot“ von Krzysztof
Kieślowski mit der wunderbaren Schauspielerin
Juliette Binoche, die zu meiner „filmischen
Erleuchtung“ geführt hat und mich zu einem
begeisterten und neugierigen Kinobesucher für ganz
unterschiedliche Filme aus vielen Ländern werden
ließ.
Was macht Tirol als Filmstandort für
Produzent:innen und Regisseur:innen attraktiv?
In erster Linie natürlich die Vielfalt der Tiroler
Berglandschaft und die relativ leichte
Erreichbarkeit auch hochalpiner Drehorte – dazu noch
die herausragende Infrastruktur durch
Unterkunftsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zu
den Drehorten selbst im Hochgebirge. Auch die
interessante Architektur in Tirol beeindruckt die
Filmschaffenden aus nah und fern, darunter
historische Bauten wie Burgen und Schlösser, aber
auch Gebäude wie Bauernhöfe und Almen und moderne
Beispiele wie Seilbahnstationen und die
Sprungschanze in Innsbruck. Tirol verfügt auch über
sehr erfahrene und tüchtige Filmschaffende, die dann
mit ihren Talenten Teil eines Filmteams werden.
Tirol punktet auch mit einer ausdrücklichen
Filmfreundlichkeit, wodurch sich die Filmschaffenden
aus aller Welt sehr willkommen und wohlfühlen. Und
letztlich ist es die Geschichte unseres Landes, die
reichlich Stoff für berührende, überraschende und
spannende Filmprojekte liefert.
Was ist die größte Leistung von Cine Tirol in den
letzten 26 Jahren?
Dass wir mit einem sehr überschaubaren Budget über
2.000 Filmprojekte nach Tirol führen konnten. Wir
haben das als Cine Tirol-Team mit viel Herzblut und
persönlichem Einsatz geschafft. Von besonderer
Bedeutung war auch unser Bemühen, rasch ein großes
Netzwerk mit österreichischen und internationalen
Filmschaffenden zwischen Hollywood und Bollywood zu
spinnen. Ganz wichtig waren auch unsere
ausgezeichneten und vertrauensvollen Verbindungen zu
vielen Tiroler Partner:innen, darunter Vertreter:innen
der Behörden auf Landes-, Bezirks- und Gemeindeebene,
Tourismusverbände und Bergbahnen sowie unzählige
Privatpersonen, die sich für die Realisierung von
Dreharbeiten persönlich eingesetzt haben – das hat uns
viel Wertschätzung seitens der Filmschaffenden
eingebracht. Diese positiven Erfahrungen wurden dann
auch innerhalb der Filmbranche weitererzählt, was
wiederum zu neuen Produktionen „shot on location
Tirol” geführt hat.
Welcher Moment Ihrer Tätigkeit bei Cine Tirol war
für Sie besonders prägend?
Es ist nicht ein Moment, sondern das sind sehr
viele Augenblicke, die mir für immer in Erinnerung
bleiben werden – darunter die erste Produktion
Helden in Tirol von Niki List in Steinberg
am Rofan unmittelbar nach Gründung von Cine Tirol
gleich im Sommer des ersten Jahres; die Dreharbeiten
zu James Bond 007: Spectre in Sölden, die
durch das unglaubliche Engagement von Jakob Falkner
ermöglicht wurden; die allererste indische
Filmproduktion, die nur drei Wochen nach einer Cine
Tirol-Präsentation in Mumbai in Tirol realisiert
wurde; die Entstehungsgeschichte des Kinofilms
Märzengrund nach dem Besuch des
gleichnamigen Theaterstücks von Felix Mitterer; die
Besuche der großen Filmfestivals beispielsweise in
Berlin, Cannes und Venedig; die unzähligen
Setbesuche zwischen Osttirol und dem Lechtal; und
natürlich die unvergesslichen Begegnungen mit
Filmschaffenden aus aller Welt hier in Tirol.
Sie durften schon so einige bekannte
Schauspieler:innen und Regisseur:innen treffen.
Welche haben Sie am meisten beeindruckt?
Ich erinnere mich an zahllose Begegnungen mit
herausragenden Persönlichkeiten der Filmbranche aus
vielen Ländern der Welt, darunter
Schauspieler:innen, Regisseur:innen,
Produzent:innen, aber auch Kamerafrauen und
-männer, Produktionsleiter:innen, Location Scouts
und viele mehr. Mehrfach durfte ich auch den
„Bildermacher“ Joseph Vilsmaier treffen, der ein
begnadeter Geschichtenerzähler und unglaublicher
Menschenkenner war, der es wie kaum ein zweiter
vermochter, Menschen für seine Geschichten zu
gewinnen und zu begeistern – seine Leidenschaft,
Filme teilweise unter sehr herausfordernden
Bedingungen zu machen, hat mich sehr beeindruckt,
speziell in Kenntnis seines dann schon
fortgeschrittenen Alters. Und dann ist noch die
Erinnerung an das Bond-Girl Lea Seydoux, die mir im
Rahmen eines Setbesuchs in Obertilliach ein zartes
„Hello!“ zugehaucht hat.
Wenn Sie Ihre geplante Pension mit einem Film
vergleichen müssten, welcher wäre es?
Es wäre wohl ein Roadmovie wie
Into the Wild als Sinnbild für eine Reise
mit „open return“, auf die ich mich schon sehr freue
– und in diesem Sinn wird meine Pension ein
„Unruhestand“ werden, in dem ich mich weiterhin auch
beruflich mit Film und Tourismus beschäftigen
werde!
Vielen Dank für das Gespräch.
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