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Im Interview: Johannes Köck

Seit dem Gründungsjahr hat Johannes Köck, Leiter der Film Commission Cine Tirol, an der Entwicklung Tirols als Film- und Fernsehproduktionsstandort mitgewirkt. Nach nunmehr 26 Jahren übergibt er seine Aufgaben an Angelika Pagitz und geht in den wohlverdienten „Unruhestand“, wie er den kommenden Lebensabschnitt selbst bezeichnet.

2024Text: SAISON
Johannes Köck
Johannes Köck, Leiter der Film Commission Cine Tirol
© Franz Oss

Wie kam es 1998 zur Gründung von Cine Tirol und welche Rolle spielten Sie dabei?
Der Tiroler Regisseur und Produzent Erich Hörtnagl überzeugte den damaligen Geschäftsführer der Tirol Werbung, Josef Margreiter, Mitte der 90er-Jahre von der Idee, Tirol als Filmland aktiv zu bewerben und dadurch wirtschaftliche, mediale und filmtouristische Effekte zu generieren. Im Auftrag der Tirol Werbung verfasste Hörtnagl eine Machbarkeitsstudie, die ab Jänner 1996 als Grundlage für die Planung und Umsetzung der weiteren Schritte diente. Da ich als früherer Marktbetreuer und damaliger Bereichsleiter Kommunikation der Tirol Werbung bereits einige Erfahrung mit Filmproduktionen hatte (darunter die Akquisition der TV-Serie „Der Bergdoktor“ nach Tirol und entsprechende Dreharbeiten), hat mich Josef Margreiter gebeten, den Gründungsprozess von Cine Tirol zu begleiten und in weiterer Folge die Leitung zu übernehmen. Diese spannende und ehrenvolle Aufgabe habe ich mit größter Freude und Begeisterung übernommen, auch weil sie meinem Interesse für Film in besonderer Weise entsprochen hat.

Wann haben Sie Ihre Liebe zur Thematik Film und Filmproduktion entdeckt?
Schon sehr früh – mein Vater hat mich regelmäßig mit ins Kino genommen, wo wir dann die Wochenschau und Trickfilme gesehen haben. Später habe ich dann in der MK mitgeholfen, samstagnachmittags Filme im damaligen John F. Kennedy Haus in der Sillgasse zu zeigen. Es hat mich immer fasziniert (und das tut es noch heute), dass speziell das Kino einen Raum geschaffen hat, in fremde Länder zu reisen, spannende Abenteuer zu erleben, unglaubliche Geschichten kennenzulernen und eine Verbindung mit der Welt herzustellen. Später war es die Trilogie „Drei Farben: Blau, Weiß, Rot“ von Krzysztof Kieślowski mit der wunderbaren Schauspielerin Juliette Binoche, die zu meiner „filmischen Erleuchtung“ geführt hat und mich zu einem begeisterten und neugierigen Kinobesucher für ganz unterschiedliche Filme aus vielen Ländern werden ließ.

Was macht Tirol als Filmstandort für Produzent:innen und Regisseur:innen attraktiv?
In erster Linie natürlich die Vielfalt der Tiroler Berglandschaft und die relativ leichte Erreichbarkeit auch hochalpiner Drehorte – dazu noch die herausragende Infrastruktur durch Unterkunftsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zu den Drehorten selbst im Hochgebirge. Auch die interessante Architektur in Tirol beeindruckt die Filmschaffenden aus nah und fern, darunter historische Bauten wie Burgen und Schlösser, aber auch Gebäude wie Bauernhöfe und Almen und moderne Beispiele wie Seilbahnstationen und die Sprungschanze in Innsbruck. Tirol verfügt auch über sehr erfahrene und tüchtige Filmschaffende, die dann mit ihren Talenten Teil eines Filmteams werden. Tirol punktet auch mit einer ausdrücklichen Filmfreundlichkeit, wodurch sich die Filmschaffenden aus aller Welt sehr willkommen und wohlfühlen. Und letztlich ist es die Geschichte unseres Landes, die reichlich Stoff für berührende, überraschende und spannende Filmprojekte liefert.

Was ist die größte Leistung von Cine Tirol in den letzten 26 Jahren?
Dass wir mit einem sehr überschaubaren Budget über 2.000 Filmprojekte nach Tirol führen konnten. Wir haben das als Cine Tirol-Team mit viel Herzblut und persönlichem Einsatz geschafft. Von besonderer Bedeutung war auch unser Bemühen, rasch ein großes Netzwerk mit österreichischen und internationalen Filmschaffenden zwischen Hollywood und Bollywood zu spinnen. Ganz wichtig waren auch unsere ausgezeichneten und vertrauensvollen Verbindungen zu vielen Tiroler Partner:innen, darunter Vertreter:innen der Behörden auf Landes-, Bezirks- und Gemeindeebene, Tourismusverbände und Bergbahnen sowie unzählige Privatpersonen, die sich für die Realisierung von Dreharbeiten persönlich eingesetzt haben – das hat uns viel Wertschätzung seitens der Filmschaffenden eingebracht. Diese positiven Erfahrungen wurden dann auch innerhalb der Filmbranche weitererzählt, was wiederum zu neuen Produktionen „shot on location Tirol” geführt hat.

Welcher Moment Ihrer Tätigkeit bei Cine Tirol war für Sie besonders prägend?
Es ist nicht ein Moment, sondern das sind sehr viele Augenblicke, die mir für immer in Erinnerung bleiben werden – darunter die erste Produktion Helden in Tirol von Niki List in Steinberg am Rofan unmittelbar nach Gründung von Cine Tirol gleich im Sommer des ersten Jahres; die Dreharbeiten zu James Bond 007: Spectre in Sölden, die durch das unglaubliche Engagement von Jakob Falkner ermöglicht wurden; die allererste indische Filmproduktion, die nur drei Wochen nach einer Cine Tirol-Präsentation in Mumbai in Tirol realisiert wurde; die Entstehungsgeschichte des Kinofilms Märzengrund nach dem Besuch des gleichnamigen Theaterstücks von Felix Mitterer; die Besuche der großen Filmfestivals beispielsweise in Berlin, Cannes und Venedig; die unzähligen Setbesuche zwischen Osttirol und dem Lechtal; und natürlich die unvergesslichen Begegnungen mit Filmschaffenden aus aller Welt hier in Tirol.

Sie durften schon so einige bekannte Schauspieler:innen und Regisseur:innen treffen. Welche haben Sie am meisten beeindruckt?
Ich erinnere mich an zahllose Begegnungen mit herausragenden Persönlichkeiten der Filmbranche aus vielen Ländern der Welt, darunter Schauspieler:innen, Regisseur:innen, Produzent:innen, aber auch Kamerafrauen und -männer, Produktionsleiter:innen, Location Scouts und viele mehr. Mehrfach durfte ich auch den „Bildermacher“ Joseph Vilsmaier treffen, der ein begnadeter Geschichtenerzähler und unglaublicher Menschenkenner war, der es wie kaum ein zweiter vermochter, Menschen für seine Geschichten zu gewinnen und zu begeistern – seine Leidenschaft, Filme teilweise unter sehr herausfordernden Bedingungen zu machen, hat mich sehr beeindruckt, speziell in Kenntnis seines dann schon fortgeschrittenen Alters. Und dann ist noch die Erinnerung an das Bond-Girl Lea Seydoux, die mir im Rahmen eines Setbesuchs in Obertilliach ein zartes „Hello!“ zugehaucht hat.

Wenn Sie Ihre geplante Pension mit einem Film vergleichen müssten, welcher wäre es?
Es wäre wohl ein Roadmovie wie Into the Wild als Sinnbild für eine Reise mit „open return“, auf die ich mich schon sehr freue – und in diesem Sinn wird meine Pension ein „Unruhestand“ werden, in dem ich mich weiterhin auch beruflich mit Film und Tourismus beschäftigen werde!

Vielen Dank für das Gespräch.

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