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EIN BESONDERER WINTER

„Es gibt ein Bedürfnis nach Erholung“

Die Unternehmerin Elisabeth Gürtler führt das 5*-Superior-Hotel Astoria Resort in Seefeld mit viel Herzblut und großem persönlichem Einsatz. In der Krise baut sie auf mutige Entscheidungen, Vertrauen und ein gutes Team.

DEZEMBER 2020Text: Das Gespräch führte Esther Pirchner.
Elisabeth Gürtler
Elisabeth Gürtler hat auch im Shutdown nette Gesellschaft. Urlaubsgäste werden danach ebenfalls wieder kommen.
© Daniel Zangerl

ZUR PERSON

Elisabeth Gürtler  

ist die Tochter der Unternehmers Fritz Mauthner. Nach seinem Tod 1988 wurde die studierte Handelswissenschaftlerin Gesellschafterin im Familienunternehmen. Sie war Geschäftsführerin der Hotels Sacher in Wien und Salzburg und leitete den Wiener Opernball und die Spanische Hofreitschule. 

Heute widmet sie sich der Ferienhotellerie: In den vergangenen Jahren baute sie das Astoria Resort in Seefeld zum 5*-Superior-Hotel aus.

Saison: Frau Gürtler, die Covid-19-Pandemie und die Gegenmaßnahmen verlangen Tourismusbetrieben viel ab. Wie kommen Sie als erfahrene Unternehmerin durch diese Zeit? Elisabeth Gürtler: Unternehmerin sein heißt auch Risiko tragen und manchmal mutig sein. Daher habe ich schon im ersten Shutdown beschlossen, als Erste hier in Seefeld wieder aufzusperren. Mit Reisenden aus Deutschland habe ich zuletzt nicht mehr gerechnet – wegen der Quarantäneregelung, aber auch weil dort der Urlaub im Land, in Bayern, sehr beworben wird. Ich wollte das Hotel für die österreichischen Gäste offenhalten, meine Mitarbeiter mit 30-prozentiger Arbeitsleistung in Kurzarbeit schicken und mit vermindertem Umsatz, aber auch verminderten Kosten über die Runden kommen. Inzwischen ist einiges passiert. Ich schätze aber, dass Gastronomie und Hotels, wenn die Infektionszahlen im Shutdown sinken, kurz vor Weihnachten wieder aufsperren werden können. Sollten die Zahlen wieder steigen, wird es wohl auch einen dritten Shutdown Ende Jänner oder Anfang Februar geben.

Warum haben Sie sich entschieden, den Betrieb über diese Wellenbewegungen von Shutdown und Öffnung hinweg aufrechtzuerhalten? Das Thema ist: Wie halte ich meine Mitarbeiter? Wir haben jahrelang darüber gesprochen: Wie bekomme ich gute Mitarbeiter, wie schule ich sie und wie binde ich sie ans Haus? In Phasen des Shutdowns, wenn sie in Kurzarbeit sind, kann ich sie fortbilden. Dazwischen werde ich auch immer wieder die Möglichkeit haben, sie einzusetzen. Es wird wieder eine Zeit ohne Corona kommen, und dann habe ich meine Mitarbeiter gesichert und kann gestärkt und verbessert wiedereröffnen.

„Gäste werden draufkommen: Da gibt es Dinge, von denen ich gar nicht geahnt habe, wie schön sie sind.“

Elisabeth Gürtler, Geschäftsführerin der Hotels Sacher in Wien und Salzburg

Sie haben aufwendige Hygienemaßnahmen ergriffen, von einem Buffet auf ein serviertes Frühstück umgestellt und achten darauf, dass Abstände eingehalten werden. Ist es im Tourismus wichtig, als Person für die größtmögliche Sicherheit der Gäste einzustehen? Absolut! Wenn ein Gast in ein Hotel kommt, in dem er den Gastgeber persönlich kennt, hat er auch mehr Vertrauen. Natürlich kann es keine 100-prozentige Sicherheit geben, aber ich kann schauen, dass meine Mitarbeiter regelmäßig getestet werden, die Zimmer keimfrei machen und an die Gäste appellieren, dass sie Abstand halten und vor allem nicht kommen, wenn sie krank sind. Dann habe ich das Gefühl, ich habe alles getan, was ich tun kann. Ich glaube, viele wissen das. Viele Wiener, die normalerweise nicht nach Tirol kommen, haben bei uns Urlaub gemacht, weil sie sagen: Die schaut schon darauf, dass alles in Ordnung ist. Darauf bin ich auch stolz.

Probleme rasch und gut lösen zu können, war in allen Ihren bisherigen Arbeitsbereichen unabdingbar. Wie kann das gelingen? Zuerst einmal muss man vor Ort sein. Was einem berichtet wird und was man aus Zahlen kennt, ist nicht immer die Realität. Man muss selbst spüren, was los ist. Man muss möglichst viele Informationen einholen und dann eine klare Entscheidung treffen. Auch die Mitarbeiter wollen klare Entscheidungen, sonst werden sie verunsichert.

Welche anderen Rahmenbedingungen sind nötig, um gut durch eine Krise zu kommen? Man sollte eine gewisse Liquidität haben, weil man manchmal Entscheidungen trifft, die teuer sind. Wenn man dann zusätzlich darauf schauen muss, ob diese Entscheidung überhaupt finanzierbar ist, wird es schwierig. Wahrscheinlich sollte man – und da agiere ich leider selbst nicht sehr vorbauend – auch Notfallhandbücher haben, in denen steht, was wann zu tun ist. 

Was kann man aus Krisen lernen? Ich glaube, man soll nie sicher sein, dass alles so weitergeht, wie es bisher war. Man muss flexibel sein, muss ständig wissen, was läuft, und muss auch darüber nachdenken: Bin ich überhaupt in der Lage, ein anderes Modell zu fahren? 

Hotel Astoria Resort
Im 5*-Superior-Hotel Astoria Resort setzt Elisabeth Gürtler auf Ferientourismus.
© Hotel Astoria Resort

Als ehemalige Geschäftsführerin der Sacher-Hotels und jetzige des Astoria Resort kennen Sie die Stadt- und die Ferienhotellerie. Welche Zukunftsperspektiven sehen Sie vor allem für Letztere? Die Stadthotellerie war der Ferienhotellerie, was den Erfolg betrifft, weit voraus. Es gab, basierend auf einem florierenden Kongresstourismus und einem Flugtourismus mit immer sinkenden Preisen, beachtliche jährliche Steigerungen. Aber es gibt ein Erholungsbedürfnis der Menschen, und dieses Bedürfnis der Menschen nach Urlaub ist stärker als das Bedürfnis nach Erlebnis oder Meetings. Daher glaube ich, dass es trotz Shutdown oder Reisebeschränkungen aus dem Ausland weiterhin Ferientourismus geben wird. Gäste aus den östlichen Bundesländern werden vermehrt in den westlichen Urlaub machen, und sie werden draufkommen: Da gibt es Dinge, von denen ich gar nicht geahnt habe, wie schön sie sind.

Vielen Dank für das Gespräch. 

THEMEN IN DIESEM ARTIKEL:
#Corona-Krise#Interview#Hotel
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