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Urlaub mit Locals

Seit knapp einem Jahr bietet die Reiseplattform Airbnb Nutzern die Möglichkeit, neben einer Unterkunft sogenannte Ent­deckungen zu buchen. Damit sollen Reisende authen­tische Urlaubserlebnisse erleben können, die Touristen normalerweise verwehrt bleiben.

DEZEMBER 2018Text: Lisa Schwarzenauer
Surfing
In Kapstadt surfen oder ...
© Airbnb

Es ist kein Geheimnis, dass Airbnb vorhat, in nicht allzu ferner Zukunft seinen Nutzern das Rundum-sorglos-Paket traditioneller Reiseveranstalter zu bieten – und das natürlich abseits des Mainstreams, was von dem kalifornischen Unternehmen gerne und oft betont wird. Airbnb will für authentische Erlebnisse stehen und „Reisen wieder magisch machen“, wie CEO Brian Chesky beim Launch von Airbnb Trips im November 2016 erklärte.

Entdeckungen sind nur ein Teil dieses neuen Unternehmenszweiges: Man findet schon komplette Reiseführer für Städte wie New York, Paris, Melbourne und São Paulo auf  Webseite und App, und bald sollen auch Flüge und andere Services folgen. Das Ziel ist, Airbnb zu einer End-to-End-Reiseplattform zu machen, damit Nutzer ihre komplette Reiseplanung darüber abwickeln können.

Hundespaziergang
... in Berlin mit einem Hunderudel spazieren – auch das ist mittlerweile mit Airbnb möglich.
© Airbnb

Das Konzept

Das Grundkonzept von Airbnb Entdeckungen (im englischsprachigen Raum heißt das Service Airbnb Experiences) ist simpel: Lokale Experten bieten verschiedene Aktivitäten an, die Airbnb-Nutzer mit einem Klick sofort buchen können. Airbnb übernimmt die Abrechnung und den Support, gibt Tipps für die Vermarktung, stellt wöchentliche Performance-Statistiken bereit und bietet einen Markt mit Millionen von potenziellen Kunden, wofür 20 Prozent des Buchungspreises als Provision einbehalten werden. (Im Vergleich dazu: Bei Übernachtungen liegt diese bei nur 3 Prozent.)

Eine Ausnahme sind gemeinnützige Entdeckungen, bei denen 100 Prozent des Erlöses an die Organisation gehen, die sie veranstaltet. Das Buchen von Entdeckungen ist prinzipiell für jeden Nutzer möglich und funktioniert gleich wie bei einer Unterkunft. Gastgeber können angeben, für welches Alter sich eine Entdeckung eignet und wie viel körperliche Tätigkeit die Aktivität verlangt, und sie können bestimmte Buchungen auch ablehnen – zum Beispiel, wenn der Gast nicht über ein verifiziertes Nutzer-Profil verfügt. Theoretisch kann es sich bei Entdeckungen um alles handeln, was ein besonderes Urlaubserlebnis verspricht, ob Stadtspaziergang, Kochkurs, Kunst-Workshop oder Yogastunde. Diese Aktivitäten sollen aber mehr als ein einfacher Zeitvertreib sein: Sie sollen es dem Gast ermöglichen, für ein paar Stunden in die Welt des Gastgebers einzutauchen und einen Ort nicht als Tourist, sondern durch die Augen eines Einheimischen zu erleben.

 

 Alexander Schwarz

„Der Austausch ist wesentlich persönlicher und authentischer als das Angebot von Konkurrenten.“

Alexander Schwarz, Geschäftsführer von Airbnb Deutschland

Strenge Qualitätskontrolle

Damit das so gut wie möglich gewährleistet werden kann, muss jede Entdeckung über die Webseite eingereicht werden und ein strenges Aufnahmeverfahren bestehen. Als Qualitätskriterien gelten laut Webseite Gastfreundschaft, Fachkenntnisse und die Möglichkeit, Insider-Einblicke zu gewähren. Airbnb zufolge haben bereits mehr als 100.000 Menschen Entdeckungen eingereicht, nur knapp 15.000 davon haben es wirklich auf die Plattform geschafft.

„Das nehmen sie wirklich sehr ernst“, bestätigt auch Kurt Reindl, der auf Airbnb eine Food Tour durch Innsbruck anbietet. „Ich habe bei meiner Bewerbung einfach die Information von meiner Webseite hineinkopiert, das wurde dann sofort abgelehnt mit der Begründung, dass diese Entdeckung es nicht wert wäre, auf Airbnb angeboten zu werden.“ Das hat Reindl geärgert. „Gerade deshalb habe ich es gleich noch einmal probiert, dieses Mal aber ganz genau beschrieben, was ich meinen Gästen Besonderes bieten kann, zum Beispiel einen Blick hinter die Kulissen einer traditionsreichen Bäckerei in der Altstadt. Da hat es dann funktioniert.“

Hat eine Entdeckung diese Hürde genommen, muss sie sich auf der Webseite erneut beweisen: Wenn die Durchschnittsbewertung unter 4,7 fällt, es häufiger nur mittelmäßige Bewertungen gibt oder einfach keine Nachfrage besteht, kann Airbnb diese wieder von der Seite nehmen.

Airbnb in Österreich

2017 haben 770.000 Gäste – die meisten aus Deutschland, den USA und Österreich – mit Airbnb in Österreich übernachtet (im Vergleich: 2017 österreichweit insgesamt 43 Mio. Ankünfte). Kritik an der Plattform kommt indes von Branchenvertretern, die unter anderem eine Ungleichbehandlung im Wettbewerb orten und daher klare Spielregeln fordern. Außerdem gebe es einen Abfluss der Wertschöpfung ins Ausland, der durch Angebote wie Airbnb Experiences noch verstärkt werde.

Rechte und Pflichten

Anbieter einer Entdeckung müssen auch gewisse zusätzliche Regeln einhalten, betont der Geschäftsführer von Airbnb Deutschland, Alexander Schwarz: „Es gibt eine breite Palette von Entdeckungen und somit auch eine breite Palette von verschiedenen eventuell geltenden Steuern und Gebühren. Wir unterstützen Gastgeber dabei, diese Regeln zu verstehen und einzuhalten. So veröffentlichen wir beispielsweise nützliche Informationen darüber, welche lokalen Steuern anwendbar sein könnten, und ermutigen die Gastgeber, einen Steuerberater zu konsultieren.“

Ähnliches gilt für die mögliche Pflicht, für bestimmte Tätigkeiten ein Gewerbe anzumelden – auch hier finden sich auf der Webseite für jedes Land Informationen und Hinweise, sich im Zweifelsfall an Spezialisten zu wenden. Österreichische Gastgeber werden beispielsweise darauf hingewiesen, dass man eine besondere Gewerbeberechtigung benötigt, um Fremdenführungen anbieten zu dürfen. Ob und wie die Einhaltung von Airbnb selbst kontrolliert wird, ist allerdings unklar.

Warum Airbnb?

Davon abgesehen, dass Airbnb schon alleine durch den hohen Bekanntheitsgrad interessant für potenzielle Gastgeber ist, die häufig auch schon Erfahrung mit der Plattform haben, schätzen die Nutzer laut Schwarz die Möglichkeit, ihre Hobbys und Leidenschaften ganz einfach mit anderen teilen zu können. Diese zwischenmenschliche Komponente nennt er auch als Hauptunterscheidungsmerkmal zu ähnlichen Angeboten wie GetYourGuide und Google Trips: „Entdeckungen auf Airbnb verbinden Menschen. Denken Sie an einen Pariser, der Ihnen das Geigenbauen näherbringt, oder an einen Italiener, der seit Jahrzehnten in Florenz lebt und Sie in den besten Wald führt, um Trüffel zu suchen. Der Austausch ist wesentlich persönlicher und authentischer als das Angebot von Konkurrenten.“

Dieses Versprechen von Authentizität und besonderen, über klassischen Tourismus hinausgehenden Erlebnissen­ scheint anzukommen: 2016 wurde mit 500 Entdeckungen in zwölf Städten gestartet, mittlerweile werden rund 15.000 Entdeckungen in mehr als 1.000 Städten angeboten – und das Angebot wächst aufgrund des großen Interesses ständig weiter.

Koikeeper
Airbnb Entdeckungen ermöglichen es Gastgebern, ihre Interessen und Talente mit Gästen zu teilen.
© Airbnb / Gastgeber Mary Ellen

Österreichische Entdeckungen

Mit Wien ist im März 2018 auch Österreich in das Portfolio aufgenommen worden, seit Juni ist das Angebot in ganz Österreich verfügbar. Der Großteil der rund 160 aktiven Entdeckungen befindet sich wenig überraschend in der Bundeshauptstadt, und österreichweit wurden in dieser relativ kurzen Zeit bereits 5.000 Buchungen gezählt.

Während man in Wien so ziemlich alles von Kaffeehaustouren, Joggen mit Ein­heimischen und Schmuck-Workshops bis hin zu Stadtspaziergängen mit Obdachlosen und ehemaligen Drogenabhängigen buchen kann, gibt es in Tirol im Moment nur fünf aktive Entdeckungen: „Innsbruck Bike Adventures“, „Spaziergang mit Kälbern“, „Entdecke und lebe wie ein Einheimischer im Ötztal“, „Create Your Own Snow Adventure Video“ und die von Reindl angebotene „Eat Like a Local: Innsbruck Food Tour“. Er habe durch einen Artikel in der „Zeit“ von Airbnb Entdeckungen erfahren, erzählt Reindl, der seine Food Tour unter anderem auch auf einer eigenen Webseite und auf GetYourGuide anbietet. „Ich bin kein Fan von Airbnb, das gebe ich ehrlich zu, aber man muss einfach alle Kanäle nutzen.“ Obwohl noch kein Gast direkt über Airbnb gebucht hat, ist er sicher, dass er ohne die Plattform wesentlich weniger Buchungen hätte: „Es kontaktieren mich immer wieder Leute über meine Webseite, die sagen, Sie hätten die Tour auf Airbnb gefunden, würden aber lieber direkt bei mir buchen.“

Von Airbnb bereitgestellte Statistiken bestätigen, dass die Tour tatsächlich sehr oft angeklickt wird – im November an die 100-mal wöchentlich – weshalb Reindl den Auftritt dort trotz fehlender Direktbuchungen als Erfolg bewertet. Während andere es durch das Anbieten von Entdeckungen laut Airbnb schon in die Selbstständigkeit geschafft haben, lohnen sich Airbnb Entdeckungen für Reindl und vermutlich viele andere bis jetzt also hauptsächlich indirekt. Es bleibt abzuwarten, wie gut das Angebot letztendlich wirklich fußfassen wird in Tirol – Potenzial hat es aber zweifelsohne.

Ähnliche Angebote

Google Trips ist eine kostenlose Reiseplanungs-App, die automatisch Aktivitäten am Urlaubsort vorschlägt und auch alle relevanten Reisedetails wie Flüge und Hotelreservierungen bereithält.

GetYourGuide bietet ähnlich wie Airbnb Entdeckungen verschiedene Urlaubserlebnisse wie Stadtführungen und Kochkurse an.

Mit dem Start-up Yilu arbeitet auch die Lufhansa an einer End-to-End-Reiseplattform, die von Flug und Unterkunft bis hin zu Restaurantreservierung und Aktivitäten alles in einem vereint.

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#Authentizität
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